Der verlassene Bunker im Ruhrgebiet (NRW)

Verlassener, unterirdischer Bunker im Ruhrgebiet (NRW)
Verlassener, unterirdischer Bunker im Ruhrgebiet (NRW)
  1. 1 Die Suche nach dem Bunkereingang und der Abstieg
  2. 2 Schlechte Luft im Luftschutzbunker
  3. 3 Das Highlight: Tropfsteine und Treppen
    1. 3.1 Die Treppe ins Herz des Bunkers
    2. 3.2 Der "Zauberbunker"
  4. 4 Lage, Daten und Fakten – Nein, keine genaue Adresse

Lost Place: Der Zauberbunker, eine verlassene Bunker-Anlage in NRW. Hunderte Meter unterirdischer Tunnel und Bunker-Stollen unterhalb einer großen Stadt im Ruhrgebiet. Der Eingang: Eine schlichte Stahlfalltür, von der aus eine lange Treppe ins Herz des Bunkers führt, tief unter die Erde. Wasser fließt hinab, die Luft ist feucht und warm. Tropfsteine hängen von den Decken. Ein Lost Place wie wir ihn noch bei keiner unserer Urbex-Touren gesehen haben.

Freitag Abend, ich sitze zuhause – nicht so spannend. Gegen 0:30 Uhr fällt mir ein, dass mir eine sehr nette Bekannte (Danke sehr!) vor kurzem die Koordinaten zum Eingang zu einem unterirdischen Bunker in einer großen Stadt hier im Ruhrgebiet gegeben hatte – zum sogenannten Zauberbunker. Kurzerhand beschließe ich in meinem Freundeskreis herzumzufragen, ob spontan jemand Lust hat mitzukommen. Einer meiner "Urbex-Buddies" hatte tatsächlich Bock. Also Sachen gepackt, Kumpel eingesackt und los.

Nach nur etwa einer halben Stunde Fahrt – von Duisburg aus – sind wir da. Wir finden uns in einem Wohngebiet wieder, in dem so spät in der Nacht keine Menschenseele mehr zu sehen ist. Nur ein paar Betrunkene eiern durch den angrenzenden Park. Dieser ist auch unser Ziel, da sich dort der Eingang des Bunkers befinden soll.


Die Suche nach dem Bunkereingang und der Abstieg

Den Haupteingang finden wir dann auch direkt in genau dem Gebüsch, in dem die Koordinaten ihn versprochen hatten: Zubetoniert, fuck! Man kann durch ein paar Belüftungslöcher in der Wand ins Innere schauen – eine Treppe geht ganz schön tief runter. Reinkommen kann man aber nicht, weswegen wir die nähere Umgebung nach weiteren Eingängen absuchen. Kein Erfolg.

Man sieht aber, dass die Bunkeranlage in eine Art Hang, an dessen oberen Ende sich ein großes öffentliches Gebäude befindet, hineingebaut ist. Vielleicht führt von dort oben ja ein Eingang hinab in den Bunker? Auch hier: Fehlanzeige.

Aufgrund eines sehr netten Menschen, welcher uns dann auf Anfrage ein Foto des Eingangs sendet – es handelt sich um eine Stahlfalltür nebst Belüftungsrohr – finden wir den Bunkereingang dann aber doch. Er lässt sich tatsächlich aufklappen – die Vorfreude steigt immens!

Wir zücken unsere Taschenlampen, klappen die Falltür auf und klettern an der Leiter hinab ins Dunkel. Über uns schließen wir die Bunkertür wieder. Ganz schön schwer, das Ding.

Kreuzung im unterirdischen Bunker
Kreuzung im unterirdischen Bunker
Eine Tunnelabzweigung ist zugemeuert
Eine Tunnelabzweigung ist zugemeuert

Schlechte Luft im Luftschutzbunker

Das erste was uns unten – schon im "Abstiegsstollen" des Zauberbunkers – auffällt ist, dass die Luft in den alten Luftschutzstollen extrem warm, feucht und teilweise sogar nebelig ist. Ganz anders, als wir es aus vergleichbaren unterirdischen Anlagen kennen.

Eine Treppe führt nach unten, wir folgen ihr. Prompt kommen wir an einem Schacht, durch den eine Menge Wasser rauscht, vorbei. Wahrscheinlich ist die Anlage in irgendeiner Form mit der Regenwasserkanalisation verbunden. Weswegen es so warm dort unten war, erklärt es allerdings nicht. Hat jemand eine Idee?

Weiter geht's: Nach einem weiteren kleinen Abstieg, vorbei an dem Wasserbecken und einer ersten Abbiegung finden wir uns im Hauptstollen des Bunkers wieder.

Je tiefer wir in die Tunnel vordringen, desto schlechter wird die Luft. Nach ein paar hundert Metern bekomme ich ziemliche Beklemmungsgefühle: Man liest ja hin und wieder von CO2-Vergiftungen oder irgendwelchen geruchslosen Gasen, die sich in solchen Stollen sammeln. Meine Beine fühlen sich fast so matschig an, wie es der Boden ist. Erstmal raus hier.

Wieder draußen laufen wir ein paar Meter an einer Bahnstrecke entlang. Derjenige, der uns auch das Bild des Eingangs geschickt hatte meinte dann aber, dass er problemlos fünf Stunden dort unten verbracht hatte – also wieder rein da.


Das Highlight: Tropfsteine und Treppen

Falltür auf, Falltür zu, Leiter runter, Treppe runter, am Wasserbecken entlang, um die Ecke, den Hauptstollen entlang. Wir stehen wieder dort, wo wir vor einer halben Stunde waren. Diesmal gehen wir weiter. Links und rechts zweigen diverese Gänge ab, viele stehen mehr unter Wasser, manche weniger. Die meisten sind Sackgassen. Einige erkunden wir, andere nicht.

Das Highlight: Die Treppe tief im Bunkerinneren
Das Highlight: Die Treppe tief im Bunkerinneren

Die Treppe ins Herz des Bunkers

Dann entdecken wir ein an die Wand gepinseltes Main Offices und folgen dem dazugehörigen Pfeil. Am Ende dieser Abzweigung stoßen wir auf eine sehr, sehr lange Treppe. Sie steigt mehrere Meter nach oben, dann wendet sie sich um 180 Grad und geht noch viele Meter weiter.

Von oben strömt kontinulierlich Wasser die Treppe herunter. Anscheinend schon viele Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte: Die ganze Treppe ist zentimeterdick mit einer Kalkschicht versiegelt, über die das Wasser hinunter rinnt. Wirklich beeindruckend!

Hinab ins Dunkel
Hinab ins Dunkel
Die Bunkertreppe aus anderer Perspektive
Die Bunkertreppe aus anderer Perspektive

Oben vermuten wir einen weiteren Eingang, evtl. den zubetonierten, welcher am Anfang fast für Enttäuschung sorgte. Frische Luft, hoffen wir. Also weiter nach oben.

Hier war wirklich mal einer der Bunkereingänge, jedoch ist er nun komplett dicht. Da ist es wieder, das beklemmende Gefühl. Tief unter der Erde, am Ende eines langen Bunkerstollens mit verschlossenem Eingang. Igitt.


Der "Zauberbunker"

Mittlerweile ist es knapp halb vier Uhr nachts. Wir gehen wieder zurück, die Treppe hinab und erkunden noch den ein oder anderen Gang.

Der Boden der tieferliegenden Bunkergänge ist bedeckt mit gelb-orangem Matsch, von der Decke hängen lange, dünne Tropfsteine – vom Boden wachsen sie dagenen wie kleine, dicke Vulkankrater empor. Dies und die komplett von Sedimenten bedeckte Treppe erklären zu genüge, warum der Bunker in "Urbex-Kreisen" der Zauberbunker genannt wird. Die diesige, warme Luft tut ihr übriges dazu.

Einer der Stollen der Luftschutzanlage
Einer der Stollen der Luftschutzanlage
Einer der seltsam gefärben Tropfsteine
Einer der seltsam gefärben Tropfsteine

Allmählich machen wir uns auf dem Heimweg: Unsere Klamotten sehen aus wie sau und und wir sind total durchnässt, aber es hat sich definitiv gelohnt! Nur um wirklich gute Fotos schießen zu können, war ich wohl etwas zu nervös – bitte verzeiht ;) Aber ich denke um einen Eindruck von der Bunkeranlage bekommen zu können reicht es.


Lage, Daten und Fakten – Nein, keine genaue Adresse

Bei diesem Bunker handelt es sich um einen Luftschutzbunker, welcher von der sogenannten Organisation Todt – die Typen, die die Bunker von der Normandie bis hoch nach Norwegen gebaut haben – im Jahr 1943 erbaut wurde, da die Luftangriffe der Alliierten auf Duisburg, Dortmund, Essen und co. Zu jener Zeit immer heftiger wurden.

Neben den bekannteren, kastenförmigen Hochbunkern sind solche Luftschutz-Stollen eigentlich ziemlich typisch für das Ruhrgebiet – zwei ähnliche Bunker unterhalb einer Industrieanlage haben wir schon an anderer Stelle im Ruhrpott erkundet.

Die genaue Adresse des Bunkers werde ich hier natürlich nicht öffentlich schreiben, aber er befindet sich unterhalb einer großen Stadt im Ruhrgebiet – nein, nicht Duisburg ;) Dass sich in der Nähe ein großes, öffentliches Gebäude befindet, welches wohl auch schon zur Nazizeit dort stand, könnte durchaus entscheidend für die Erbauung des Bunkers an genau diesem Ort gewesen sein. Heute ist hier ein Wohngebiet.

Am meisten fasziniert hat mich – neben den Tropfsteinen und der in die Tiefe führenden Treppe – die schiere Größe. Wir waren knapp 1 1/2 Stunden dort unten und haben längst nicht alles gesehen. Alleine, dass es mindestens(!) drei Eingänge zu der Bunkeranlage gibt, lässt schon auf die Ausmaße schließen: Der zubetonierte vom Anfang, der durch den wir rein sind und der, der komplett dicht war und den wir nur von innen gesehen haben.

Einfach toll!


Und natürlich hoffe ich, dass euch – die diesmal leider nicht ganz so zahlreichen – Bilder genauso gut gefallen, wie mir der Bunker!


Nachtrag: Mich hat gerade – noch am Tag der Veröffentlichung dieses Artikels – die Nachricht erreicht, dass die Falltür nun fest verschlossen ist. Ein dickes Vorhängeschloss blockiert den Eingang. Schade, da waren wir wohl die letzten, die den Bunker zu Gesicht bekamen, bevor er zugeschüttet wird. Das soll nämlich noch dieses Jahr passieren. Tut mir leid für alle, die noch hin wollten.


Erscheinungsdatum

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4 Kommentare

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  1. Michael Kemen
    Michael Kemen |

    Hi guten Abend,
    den würde man besser wieder instandsetzen, denn er wird bestimmt noch benötigt!!

    1. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |

      Hoffen wir mal, dass es nicht so kommt.

      Aber ich gehe auch eher nicht davon aus, dass sowas in nächster Zeit gebraucht wird... :D

      Fänds eher cool, wenn sowas museumsmäßig begehbar gemacht werden würde, statt es zuzuschütten.

  2. Essener
    Essener |

    Ist das der Bunker im Essener Moltkeviertel, der jetzt verfüllt wird?

    1. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |

      Moltkeviertel in Essen? Bunker? Verfüllt? Nie von gehört ;)

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