Lost Place: Die Sinteranlage in Duisburg

Die Sinteranlage in Duisburg Meiderich
Die Sinteranlage in Duisburg Meiderich
  1. 1 Die Sinteranlage
  2. 2 Honig- und OP-Bunker bei der Sinteranlage
    1. 2.1 Der OP-Bunker - Tropfsteine und Platzangst
    2. 2.2 Der Honigbunker - Wasser und Waffentests
  3. 3 Der Schornstein - eine Klettertour
  4. 4 Die Sprengung der Sinteranlage
    1. 4.1 Was bleibt...

Die Sinteranlage in Duisburg, wer kennt sie nicht? Mit samt dem OP- und dem Honigbunker, den riesigen Fabrikhallen, dem aussichtsreichen Dach und dem Wachmann. Einer der bekanntesten und dennoch sehenswertesten Lost Places im Ruhrgebiet und in NRW überhaupt. Nun ist sie abgerissen, nur der Schornstein und die Luftschutzstollen stehen noch. Da kann ein bisschen Nostalgie nicht schaden. Ein Nachruf für die Sinteranlage.

Weißt du noch, wie riesengroß sie war? Dass man bei jedem Besuch etwas neues entdeckte? Die Entscheidung, ob es beim heutigen Trip hinab in die Bunker, oder hinauf aufs Dach gehen sollte? Erinnerst du dich an den Wachmann, der wahrscheinlich niemals jemand erwischt hat? An die anderen Urbexer – und zuweilen auch die komischen Gestalten – die man dort traf? Schade, oder? Evtl. kennst du ja sogar noch die Zeiten, als Honig- und OP-Bunker noch nicht allgemein bekannt waren? Nun ja, keine Sinteranlage mehr... bis auf Honig- und OP-Bunker.

Kletterei im Stahlgewirr der Sinteranlage
Kletterei im Stahlgewirr der Sinteranlage
Auf zum höchsten Punkt der Sinter
Auf zum höchsten Punkt der Sinter

Die Sinteranlage

Man kam an, kletterte über den Zaun, verhakte sich ein wenig im NATO-Draht und lief erst einmal ein paar Hundert Meter über das riesige Gelände. Kurzes Chillen im Wald und dann die Frage: Gehts heute rauf aufs Dach, oder runter unter die Erde? In die linken oder rechten Hallen? Evtl. mal zwischen den riesigen Tanks umherklettern? Auf den Schornstein?

Kein Boden mehr in den Stahlstegen
Kein Boden mehr in den Stahlstegen
Ganz ungefährlich war es nicht
Ganz ungefährlich war es nicht

Wir machten das meist vom Wetter abhängig: Bei Sonne rauf aufs Dach und in die Sinteranlage, bei Regen ab in die Bunker. Auch bei Dunkelheit hatte man von oben eine grandiose Aussicht über Duisburg. Beide unteren Fotos sind vom höchsten Punkt der Sinternlage aufgenommen. Nur der Abstieg war in der Dunkelheit nicht immer ganz einfach.

Sonnenuntergang über dem Ruhrgebiet
Sonnenuntergang über dem Ruhrgebiet
Das Ruhrgebiet bei Nacht
Das Ruhrgebiet bei Nacht

Gerade bei gutem Wetter war die Sinteranlage eine äußerst gut besuchte Adresse. Von Leuten die Kabel klauten über eine Latex-Akt-Fotografin bis hin zu komplett ausgerüsteten Militär-Freaks haben wir an diesem Lost Place so ziemlich alle Arten von Leuten getroffen. Meistens natürlich andere Urbexer oder Fotografen.

Ich ärgere mich allerdings schon ein wenig, dass ich damals erst angefangen habe zu fotografieren. Wie gerne würde ich heute noch mal dort hin und ein paar „richtige“ Fotos von den Hallen, den Maschinen und dem Schornstein machen.


Honig- und OP-Bunker bei der Sinteranlage

Es klingt unglaubwürdig, aber ja, es gab tatsächlich Zeiten, in denen man noch recherchieren musste um diesen „Lost Place“ unter der Erde zu finden. Das taten wir dann auch und viele gelesene Seiten, analysierte Bilder und eine Erkundungstour später hatten wir die Eingänge dann auch gefunden.

Bonus: Mehr zu OP- und Honigbunker gibt es hier.


Der OP-Bunker - Tropfsteine und Platzangst

Ich weiß noch ganz genau, wie krass ich mich gefreut habe dort hinabzusteigen. Und wie viel Bammel ich davor hatte, durch die enge Stahlröhre zu kriechen, die zum OP-Bunker führt.

Der einzige Zugang zum OP-Bunker
Der einzige Zugang zum OP-Bunker
Tausende Tropfsteine hängen herab
Tausende Tropfsteine hängen herab

Dafür wurde man dann aber auch mit einem grandiosen Anblick belohnt. Abertausende von Tropfsteinen hängen von der Decke.

Historisches: Vor vielen Jahren – zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs – sollte dieser Bunker als als unterirdisches Lazarett im Luftschutzstollen dienen. Daher auch der Name: Das OP steht für Operations-Bunker.


Der Honigbunker - Wasser und Waffentests

Der Honigbunker ist – wie auch der erstgenannte – in eine Schlackenhalde nicht weit entfernt von der Sinteranlage hineingegraben, jedoch besser ausbetoniert, weswegen nicht so viel Wasser durch die Decke eindringen konnte und sich hier weniger Tropfsteine finden lassen.

Alles steht unter Wasser
Alles steht unter Wasser
Die Beschussanlage
Die Beschussanlage

Dennoch war der Honigbunker meist stärker mit Wasser vollgelaufen, als der OP-Bunker. An vielen Stellen war ohne Gummistiefel kein Durchkommen.

Historisches: Auch hier suchte man zu Zeiten des dritten Reichs Schutz vor den Bomben der Alliierten. Später wurden hier Waffentests durchgeführt. So findet sich hier auch die sogenannte Beschussanlage, in der die Wirkung von allerlei Knarren auf Stahlplatten getestet wurde.


Der Schornstein - eine Klettertour

Neben der Sinteranlage selbst und den Bunkern gab es natürlich noch den riesigen Schornstein, samt einem weiteren ihn umgebenden Gebäude – von innen und von außen erkletterbar. Begab man sich hinab in die Katakomben unter einer der Werkshallen, fand das knapp zwei Meter durchmessende ehemalige Abgasrohr und ging hindurch, fand man sich im Schornstein der Sinteranlage wieder.

Ein Freund im Kamin der Sinteranlage...
Ein Freund im Kamin der Sinteranlage...
...und ich auf der Leiter
...und ich auf der Leiter

Von innen sah er noch riesiger aus, als von außen. Ein mal haben wir versucht an den innen liegenden Leitersprossen hochzuklettern, nach einigen dutzend Metern aber aufgegeben, da sie zu verrostet waren.

Historisches: Zweck der Sinteranlage war es, Eisenerz für die Hochöfen der umliegenden Hütten – wie zum Beispiel derjenigen des heutigen Landschaftspark Nord – zu Klumpen zusammenzusintern. Daher standen dort einige gigantische Öfen und natürlich auch ein riesiger Schornstein. 1957 erbaut, 1983 stillgelegt und 2015 gesprengt.

Aussicht über das Ruhrgebiet
Aussicht über das Ruhrgebiet
Blick aus der höchsten Halle der Sinteranlage
Blick aus der höchsten Halle der Sinteranlage

Die Sprengung der Sinteranlage

Am 11.12.2015 war es dann soweit: Der letzte Rest der einstmals riesigen Hallen wurde gesprengt. Wie man im Video sieht, stand zu der Zeit aber ohnehin nur noch ein Bruchteil der „Sinter“.

Was bleibt...

...sind wahrscheinlich abertausende Fotos auf den Speicherkarten von hunderten Urbexern und die Erinnerung an einen der größten und großartigsten „Lost Places“ überhaupt in NRW. Wirklich schade um die alte Dame.

Die Sinteranlage Duisburg bei Nacht
Die Sinteranlage Duisburg bei Nacht
Der Risikofreudigste unserer Gruppe :D
Der Risikofreudigste unserer Gruppe :D
Erscheinungsdatum

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  1. Dennis
    Dennis |

    Hallo,

    Ist der Bunker auch gesprengt worden?

    1. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |

      Nein, die Bunker stehen noch! Ich war zwar seit nem Jahr nicht mehr da, aber ein paar Leute die ich kenne waren erst vor ein paar Tagen dort :)

  2. Joel
    Joel |

    Wo ist das genau? Kenne mich leider nicht so sehr in Duisburg aus

    1. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |
      Joel schrieb: Wo ist das genau? Kenne mich leider nicht so sehr in Duisburg aus

      Hi Joel,

      so ganz offen kann ich das hier leider nicht hinschreiben. Es ist nicht gern gesehen, Lost Places-Adressen offen kundzutun. Aber so viel sei gesagt: Es ist - wie bekannt - in Duisburg und nicht sehr schwer zu finden :)

      Viele Grüße,

      Finn

  3. Ruinenforscher
    Ruinenforscher |

    Ein sehr schöner und informativer Beitrag!

    Du schreibst sehr spannend und deine Dokumentation liest sich gut!

    Ich selber war schon da und es war mein erster Lost Places im Jahre 2012.

    Die Zugänge der Bunker habe ich erst später herausgefunden durch Recherchen und Tipps von Kollegen.

    Nun bleibt die Sinter in unserer Erinnerung und auf Fotos gespeichert! :)

    Sie ziert sogar als Tattoo meine Brust :D

    Schreib weiter so!

    Beste Grüße, der Ruinenforscher

    1. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |

      Hallo!

      Vielen Dank für dein Feedback, hab mich wirklich sehr gefreut!

      Ja, die Sinter war schon echt nen toller Ort. Haben auch ungefähr 2012 / 2013 angefangen uns die Anlage genauer anzuschauen und kurz darauf dann auch die Bunker. Damals hatte man ja noch nicht in 5 Minuten raus, wo die Eingänge waren. Waren unzählige male dort, so groß wie da alles war.

      Das Tattoo würd ich ja zu gern mal sehen!

      Viele Grüße,

      Finn

  4. Freddyphotogrphy
    Freddyphotogrphy |

    Sehr bedauerlich das eine so wundervolle Anlage dem Erdboden gleich gemacht wurde, ich hatte leider nie die Möglichkeit sie zu besuchen, damals war ich noch zu jung und in Sachen urbex nicht bewandert.... Jetzt gibt es bei uns in nrw vermutlich nichts vergleichbares mehr.

    Ich würde gerne wissen ob man immer noch in den Bunker hinein kommt oder was sonst mit ihm passiert ist. Wann du deinen letzten Beitrag geschrieben hattest sehe ich leider nicht. Wäre nett wenn du mir da Infos geben könntest, und falls er noch erhalten ist ein Tipp zum hineingelangen.

    Viele Grüße,

    Freddyphotogrphy (ig)

    1. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |

      Hi Freddy,

      ja ist wirklich super schade, das die Anlage nun weg ist :/ Waren früher sehr, sehr oft dort. Aber es gibt definitiv noch so einige mehr als spannende Geheimtipps im Ruhrgebiet :)

      Wie es mit den Bunkern darunter aussieht weiß ich nicht so genau. Ich wohne zwar hier in Duisburg, war aber schon lange nicht mehr an der Sinteranlage. Kann mir aber kaum vorstellen, dass sie verfüllt wurden und keiner es mitbekommen hat - sowas spricht sich ja auch rum.

      Viele Grüße,

      Finn

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