Lost Place: Unterirdischer, verlassener Bunker in NRW

Dunkel und kalt, aber schön
Dunkel und kalt, aber schön
  1. 1 Recherche erledigt: Wie reinkommen?
  2. 2 Die Bunker-Eingänge sind entdeckt - der "OP-Bunker"
  3. 3 Highlight: Das unterirdische Lazarett - der "Honigbunker"
  4. 4 Das wars dann wohl

Verlassene Orte: Das unterirdische Bunker-System im Ruhrgebiet. Die Industrieanlagen, welche darüber stehen, werden momentan abgerissen, weswegen die Tunnel wohl nicht mehr lange zugänglich sein werden. Schade. War meine liebste Urban Exploration-Location überhaupt. Riesengroß und eindrucksvoll. Früher ein unterirdisches Kriegslazarett, später Ort für Waffentests, heute verlassen und eher einer Tropfsteinhöhle ähnelnd. Seid gespannt!

Also: Im Internet tauchten in letzter Zeit gelegentlich Bilder dieser Tunnel auf und weckten das Interesse von mir und einem Kumpel. Würden wir uns wirklich gerne mal angucken, diese Anlage. Man liest so einiges: Es ist groß, man muss durch enge Röhren kriechen, auch eine Tropfsteinhöhle soll es geben. Nur wo die Eingänge sind findet sich nirgendwo. Mhhh. Nach zwei, drei Nachmittagen Recherche konnten wir den Bereich, in dem sie liegen müssten aber genauer eingrenzen. So viel sei gesagt: Die Bunker liegen unterhalb einer ebenfalls verlassenen Industrieanlage im Ruhrgebiet.

Verlassener Bunker: Licht am Ende des Tunnels
Verlassener Bunker: Licht am Ende des Tunnels

Recherche erledigt: Wie reinkommen?

Karte gemalt, Kamera, Objektive, Stativ und Blitz eingepackt. Dazu Taschenlampen und alte Klamotten. Außerdem eine alte Decke, die man auf den stachelbewehrten Zaun werfen kann, um darüber klettern zu können. Losfahren, ankommen. Dann rennen wir erst einmal um die komplette Anlage herum, da sie ringsum umzäunt ist und die Zäune zum großen Teil mit NATO-Draht bestückt sind. Dann finden wir aber eine Stelle, an der der Zaun nicht mit diesem Draht versehen ist. Decke drauf, rüber.

Nun erstmal dorthin, wo wir die Eingänge vermuten. Natürlich schleichen wir, da es einen patrouillierenden Wachdienst auf dem Gelände gibt, seit dem dort durch einen Sturz jemand ums Leben gekommen ist. Vor dem haben wir uns bei früheren Besuchen des Industriekomplexes hin und wieder auch schon verstecken dürfen. Die Industrieanlage über den Bunkern lassen wir dieses mal aber außer Acht, da wir schon etliche Male dort waren – ohne zu wissen, dass die begehrten Bunker direkt darunter lagen!

Hinab ins Dunkel
Hinab ins Dunkel

Die Bunker-Eingänge sind entdeckt - der "OP-Bunker"

Offensichtlich sind die Eingänge in der Vergangenheit zugeschüttet, aber alsbald wieder ausgegraben worden. Ein bisschen zumindest, durch eine Art größeres Fuchsloch kann man in die Tunnel steigen. Kurze Überwindungsphase, dann gehts hinunter! Wir finden uns in einem mehrere hundert Meter umfassenden, netzartig in den Untergrund getriebenen Tunnelsystem wieder. Wände und Decke bestehen aus nacktem, kaltem Beton. Die Luft ist kühl und feucht.

Hier und da liegen benutzte Einmalanzüge herum, an vielen Stellen Teelichter. Wir finden ein Telefon, welches warum auch immer dort unten herumsteht. Aus einschlägigen Foren wissen wir: Es ist eine Art Tradition seinen Standort zu ändern. Das finden wohl einige andere Besucher unheimlich. Wir tun ihnen den Gefallen.

Nachdem der Krieg zu Ende war und die über den Bunkern befindliche Fabrik ihre Arbeit wieder aufgenommen hatte, wurden dort unten unter Anderem Waffentests durchgeführt. Es lagen sogar noch einige, mit Maschinengewehren – und größerem Kaliber – zersägte Stahlplatten herum. Hat man wohl dort unten gemacht, damit niemand etwas mitbekommt.

Verlassener Bunker unter der Erde im Ruhrgebiet
Verlassener Bunker unter der Erde im Ruhrgebiet
Würdest du hier hindurch kriechen?
Würdest du hier hindurch kriechen?

An einer Stelle, an der ein besonders massives Gebäude über dem Tunnel steht, ist dieser mit Schutt aufgefüllt. Nur ein schmales ungefähr 20 Meter langes, rostiges Stahlrohr führt in den nächsten Teil.


Highlight: Das unterirdische Lazarett - der "Honigbunker"

Besonders mich kostet es einiges an Überwindung hindurch zu kriechen. Ich werde die Vorstellung einfach nicht los, wie es wohl wäre mitten in dem Rohr zu stecken, während es von den darüber liegenden Gesteinsmassen zerquetscht wird. Was wenn wir auf der anderen Seite rauskommen und der Rückweg dann einbricht? Im Berg gefangen zu sein wäre auch nicht viel angenehmer. Meine Freunde überzeugen mich dann aber doch.

Nachdem wir – möglichst schnell – hindurch gekrochen sind und gefühlte 10 kg Roststaub eingeatmet haben, finden wir uns im eindrucksvollsten Teil der Tunnel wieder. Wir stehen mitten im ehemaligen Kriegslazarett. Während das Ruhrgebiet im Krieg immer häufiger Ziel alliierter Bombenangriffe wurde hatte man hier unter der Erde u.A. eine Krankenstation eingerichtet.

Eine Höhle, oder ein Bunker?
Eine Höhle, oder ein Bunker?

Warum soll das nun so eindrucksvoll sein? Weil hier die Ausbetonierung der Decke entweder fehlte oder herunter gebrochen war. So konnte Wasser eindringen und es bildeten sich abertausende von Tropfsteinen. Lange, dünne Stalagtiten an er Decke und kurze, dicke Stalagmiten am Boden. Es sieht aus wie eine Höhle, nicht wie ein Bunker. Wow! Also dann: Fotos machen, alles ausleuchten und erkunden.

Das wars dann wohl

Danach wieder zurück zur Röhre, durch die Tunnel und über den Zaun. Ich finde, dass wir uns glücklich schätzen können, diesen Ort noch gesehen haben zu dürfen. Nun wird die darüber befindliche Fabrik abgerissen und wahrscheinlich werden auch die Bunker bald verfüllt. Beides zusammen war definitiv meine Lieblings-Location in Sachen Urban Exploration. Schade, dass sie bald endgültig Geschichte ist.

Vielleicht waren einige von euch auch schon einmal dort. Bestimmt sogar. Dann wisst ihr ja wovon ich rede. Wenn nicht. Vielleicht konnte euch der Artikel hier ja einen kleinen Eindruck vermitteln! Machs gut, alte Dame.


Vielen Dank fürs lesen, hoffentlich hats Spaß gemacht und bis bald!


Nachtrag: Mittlerweile sind wir noch in eine ähnliche – aber viel größere – verlassene Bunkeranlage in NRW hinabgestiegen.

Tipp: Hier noch ein weiterführender Artikel darüber, wie man in solchen Lost Places trotz der schlechten Lichtverhältnisse gute Fotos machen kann.

Erscheinungsdatum

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10 Kommentare

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  1. Urbexer
    Urbexer |

    waren auch schon öfters da, wirklich ein super schöner LP... leider wirklich bald geschichte. kenne aber mittlerweile auch jede ecke dort. würde gern noch ein letztes mal hin. momentan kann man noch rein, oder?

  2. Finn (SagtMirNix)
    Finn (SagtMirNix) |

    Also dass wir dort waren ist schon ein bisschen her, wie der aktuellste Stand ist weiß ich nicht. Aber die Abrissarbeiten waren leider schon in vollem Gange.

  3. Andreas AltenhoffAndreas Altenhoff |

    Hallo Finn,

    einen sehr interessanten Beitrag präsentierst Du uns hier. Er ist spannend und fesselnd verschlingt man quasi die Zeilen. Die gemachten Aufnahmen passen super zu diesem Artikel.
    Klasse, macht Lust auf mehr!

    Gruß, Andreas

    p.s.: Ich hätte mir ein paar mehr Fotos gewünscht

  4. Finn (SagtMirNix)
    Finn (SagtMirNix) |

    Hallo Andreas, vielen Dank! Nen besseres Feedback kann ich mir kaum wünschen! :)

    Mehr Bilder haben sich jetzt schon einige gewünscht. Werde ich bei den nächsten Beiträgen machen. Bisher war ich immer der Meinung, dass es besser ist nur die "besten", aber dafür weniger Fotos mit reinzunehmen. Anyway: Freut mich, dass es gefällt. Wie ich sehe bist du in ähnlichen Themen wie ich unterwegs!

  5. Andreas AltenhoffAndreas Altenhoff |

    Hallo Finn,

    "lieber weniger GUTE Fotos zeigen, als ganz viele MITTELMÄßIGE, wo die guten dann untergehen", dass habe ich schon viel gehört. Und ich denke auch, dass es absolut richtig so ist.

    Jetzt spreche ich aber nur mal vom MIR, in meinem Blog veröffentliche ich eher viele Fotos. Ich habe auch kein Problem damit schlechte Fotos zu veröffentlichen, dann schreibe ich auch, dass ich da murks gemacht habe oder wie ich es das nächst mal besser machen würde. Ich sehe den Vorteil bei einem Blog, dass man zu den Fotos halt auch was schreiben kann und sich erklären, vielleicht auch für die miese Qualität entschuldigen kann. Durch die Kommentarfunktion könnte man mir ja auch Tipps geben, wie ich es besser machen könnte.

    Das heißt ja auch noch lange nicht, dass diese Fotos den Blog verlassen und auf meiner Website, bei der Fotocommunity, bei Flickr, bei 500px, usw. erscheinen werden. Da veröffentliche ich nur meine persönlichen Highlights.

    Dieses hier ist Dein Blog, Deine Idee, Dein Baby, wie Du das handhabst bleibt ganz alleine Dir überlassen und da sollte Dir auch niemand reinreden.

    Du hast hier eine Seite "Bilder", da müssen ja nicht alle Deine Aufnahmen erscheinen, die Du für Dokumentarzwecke im Blogbeitrag verwendest.

    Gruß, Andreas

    p.s.: Dein Thema finde ich halt interessant, es ist Neuland für mich und ich möchte möglichst viel über die LostPlace-Fotografie erfahren. Deine hier gezeigten Aufnahmen sind klasse und machen Lust auch mal etwas tiefer in die Materie einzutauchen und selber mal solche Orte aufzusuchen.

  6. Finn (SagtMirNix)
    Finn (SagtMirNix) |

    Ja, ungefähr das, was du am Anfang schreibst, habe ich mir auch gedacht! Bei 500px und in einigen anderen Fotografieportalen bin ich ebenfalls angemeldet, da dieser Blog aber, wie du schon sagest mein "Baby" ist, ist er mir auch am wichtigsten - daher eher hier die guten Bilder ;) Aber wie gesagt, kann man halten wie n Dachbecker, jede(r) machts anders. Ist ja auch gut so. Schöne Formulierung übrigens, habe wirklich etliche Stunden und Nächte in den Blog und die Galerie gesteckt. Alles selbst programmiert. Aber ich werde es wohl tatsächlich in etwa so halten, wie du gesagt hast: In die Galerie die "Elite" und in die Artikel zur Veranschaulichung mehr Bilder. Wenn dich sowas interessiert, kann ich nur empfehlen, dir selbst mal ein paar alte Gemäuer anzuschauen. Findet man eigentlich überall. Ich persönlich wohne im Ruhrgebiet, da gibts glücklicherweise natürlich besonders viele. Natürlich immer vorsichtig sein ;)

  7. stevesteve |

    Hi
    Super Action gegen den Wachschutz
    und klasse Location
    Leider zu weit weg von Berlin
    Wir stehen auch auf Bunker und alles was unterirdisch ist

    Meine Seite www.abandonedplaces-berlin.npage.de

    MfG steve

  8. JonathanJonathan |

    Super Geschichte und schicke Bilder! Die Location ist echt klasse und scheint ja auch sehr vielfältig zu sein. Bisher war ich nur in ein paar Gebäuden die abgerissen werden sollten und einem verlassenen Freizeitpark. Die Fotos gibts hier, lag noch Schnee, wenn das interessiert: http://jonathanmh.com/exploring-an-abandoned-amusement-park/

  9. Secrecy
    Secrecy |

    Was für ein cooler Lost Place, schade, dass er abgerissen wird. Ich geh selber auch gerne auf Erkundungstour und wäre gerne dort hingegangegangen....
    Liebe Grüße, Secrecy

    1. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |

      Hallo!

      Ja, ist wirklich super schade. Die Bunker mit der Industrieanlage oben drüber waren auf jeden Fall mit der spannendste (und größte) "Lost Place" den ich bisher vor die Linse bekommen habe..

      Viele Grüße,
      Finn

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