Lost Place: Verlassenes Gefängnis in NRW

Big Brother is Wachting You
Big Brother is Wachting You

Heute gibt es einen ganz besonderen Lost Place: Einen verlassenen Knast! Bei unserer letzten Urban Exploration-Tour haben wir uns ein verlassenes Gefängnis in der Nähe des Ruhrgebiets in NRW angeschaut, das erst seit kurzem leer steht und dementsprechend noch gut in Schuss ist. Besonders beeindruckend waren natürlich die Zellen. Aber auch die Innenhöfe der JVA und die Mauer samt Wachtürmen mit Schießscharten waren ziemlich interessant.

Nachtrag: Die Bilder vom zweiten Besuch - diesmal im Jugendknast


Die verlassene JVA

Gefängnishof aus einer Schießscharte (Panorama)
Gefängnishof aus einer Schießscharte (Panorama)

Erbaut wurde die JVA Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge des preußischen Gefängnis-Bauwahns. Die Architektur ist typisch für diese Zeit. Dazu muss ich sagen, dass die Bauweise mich sowohl außen, als auch innen – vor allem in den Zellenblocks – extrem an dieses Alcatraz-Klischee-Bild eines Gefängnisses erinnert hat, welches wohl so einige von uns irgendwie im Kopf haben.

Gerne würde ich auch darüber schreiben welche Personen schon alles in dieser Justizvollzugsanstalt eingesessen haben. Einige äußerst interessante Charaktere sind dabei, soviel sei gesagt. Dann wäre aber der Standort sofort klar und die Urban Exploration-Community würde mich lynchen, oder so.


Wie das Gefängnis finden? Und wie reinkommen?

Da wir mittlerweile zwar schon unterirdische Bunker, eine alte Papierfabrik in Düsseldorf, verlassene Industrieanlagen in Duisburg und unzählige andere leerstehende Gebäude gesehen hatten, aber noch nie ein Gefängnis, hatte ich schon lange extrem Lust darauf.

Der Zellenblock
Der Zellenblock

Wie auch immer, an jenem Nachmittag vor ein paar Tagen schrieb mir ein Freund, ob wir nicht in Sachen Urban Exploration etwas unternehmen wollten und dass er ein altes Gefängnis ausfindig gemacht habe. Nach überraschend kurzer Internet-Recherche war dann der genaue Standort auch direkt klar. Also nix wie los!

Dort angekommen erst einmal die Standardprozedur ausführen: Die ganze Schose umrunden und schauen wo man am besten und unauffälligsten hinein kommt. Auf der Rückseite dann die erste interessante Begebenheit: Offensichtlich standen auf dem Gelände der JVA auch einige Wohnhäuser – normale Ein- und Zweifamilienhäuser, entlang der angrenzenden Straße. Auch diese standen alle leer. Ein ganzer verlassener Straßenzug mitten(!) in der Innenstadt einer großen Stadt in NRW.

Kurz über den Zaun gesprungen und eines jener Häuser angeschaut. Nichts besonderes von innen. Kurz im Keller versteckt, da oben mehrere Männer irgendetwas von Jugendlichen brabbelnd herumliefen. Nix passiert. Weiter.

Als nächstes galt es dann die Mauer zu überwinden. Gut fünf Meter hoch und oben mit NATO-Draht bewährt. Anfangs genau in die falsche Richtung gelaufen, kein Durchkommen. Der Notfallplan war es, es mit unserer Strickleiter zu versuchen. Dazu kam es aber nicht, da wir dann doch ein offenes Tor in der Mauer fanden.


Der Gefängnishof

Wachturm von innen
Wachturm von innen

Dann fanden wir uns auf dem Innenhof des Gefängnisses wieder. Genauer gesagt auf einem der vier Höfe. Die JVA ist kreuzförmig aufgebaut – es gibt also einen Mittelpunkt von dem vier Trakte mit Gefängniszellen ausgehen. In jeder der vier Ecken außerhalb des Kreuzes befand sich ein Hof und das alles war mit der Mauer umgeben.

Einer der Wachtürme war offen – durch eine enge Wendeltreppe gelangte man nach oben. Es gab mehrere Luken, von denen zwei offen waren, die schräg nach unten Gerichtet auf beide Seiten der Mauer zeigten. Ich fragte mich, ob es sich tatsächlich um Luken handelte, durch die das Wachpersonal im Falle des Falles auf Menschen zu schießen pflegte.

Wachturm von aussen
Wachturm von außen

Ja, tat es. Auf einem handgeschriebenen Schild über der Wendeltreppe stand: "Bei Betrieb der Klimaanlage müssen alle Schießluken geschlossen sein". Toll, echte Mordlöcher…


Die Zellen

Als nächstes suchten und fanden wir einen Eingang ins Herzstück der Anlage: Zu den Gefängniszellen. Alles war genauso wie ich mir einen Knast vorgestellt habe. Nur dachte ich bisher, dass dieses Bild, das ich im Kopf habe, nicht der Realität entspricht. Tat es doch.

Gefängniszelle
So sahen die meisten Zellen aus

Vier Blocks, vier Etagen und Gänge in denen sich Zelle an Zelle reiht. In der Mitte der verschiedenen Stockwerke befand sich kein massiver Boden, sondern Gitter. Warum eigentlich?

Neben einer Ausnüchterungszelle, in der nichts weiter als eine Erhöhung, auf der vielleicht mal eine Matratze lag, und ein Loch im Boden, welches als Klo diente, zu finden war, gab es sehr viele Einzelzellen und auch ein paar größere, welche wohl von mehreren Häftlingen "bewohnt" wurden. Natürlich gab es auch Räume für Sozialdienst und Besuche beim Psychologen.

Auf dem Bild links sieht man eine der normalen Einzelzellen - auf dem Bett liegt noch eine Bibel. Das per Hand hineingeschriebene Datum ist noch nicht sehr alt.

Über der Tür einer Zelle befand sich ein Loch (eigentlich für Kabel o.Ä.) durch welches von innen eine Flasche geschoben wurde, die für ein daran befestigtes Seil als eine Art Anker diente. Creepy: Das Seil war zu einer Schlinge geformt, genau so wie man es aus Filmen kennt, wenn sich jemand in seiner Zelle erhängt hat. Wird aber wohl jemand nachträglich dort hingehängt haben, schätze ich.

Schlinge in einer Zelle
Schlinge in einer Zelle

Eine andere Zelle war in bunten Farben gestrichen, an den Wänden hingen Bilder mit psychedelischen Mustern und selbst gebastelte Sterne. Das Fenster war mir gemalten Blumen umrandet. Irgendwie musste man sich den trostlosen Alltag ja ein wenig erträglich machen. (Fotos weiter unten)


Die Gefängniskirche

Sogar eine Kirche gab es. Dass es in einer Justizvollzugsanstalt öfter sowas wie Seelsorger oder Geistliche gibt ist ja klar, aber eine ganze Kirche? War zumindest mir neu. Auf der Empore stand sogar noch die gesamte begehbare(!) Orgel. Auf dem Foto an der Seite ist ein Teil von ihr zu sehen. Darin war es leider zu dunkel zum fotografieren, nächstes mal mit Taschenlampe.

Kirche des Gefängnisses
Kirche des Gefängnisses

Das war doch mal was!

Wie gesagt: Mit Abstand eine der interessantesten Urban Exploring-Locations, die wir bisher erkundet und fotografiert haben. Ich für meinen Teil bin mir durch den Besuch noch viel sicherer geworden, dass ich niemals in einem solchen Knast landen möchte, wenn ich nicht verrückt werden will. Ich stelle es mir absolut grausam vor jahrelang so eingepfercht zu sein.

So beklemmend es auch teilweise war, so gut konnte man sich auch den Alltag der Inhaftierten vorstellen, da fast alles noch sehr gut erhalten war.


Nachtrag: Die Bilder vom zweiten Besuch - diesmal im Jugendknast

Nachtrag 2: Jetzt ist das, was in der Papierfabrik in Düsseldorf regelmäßig der Fall ist, auch hier passiert. Ein Brand hat Teile des Gefängnisses verwüstet. Vor allem die Kirche der JVA soll von dem Feuer betroffen sein. (Quelle: rp-online, 30. April 2016)


Na, war schon mal jemand dort oder in einem ähnlichen Lost Place?

Sag, was du denkst: Falls du Lust und gerade nichts wichtigeres zu tun hast, kannst du auch gerne noch bei der aktuellen Urbex-Umfrage mitmachen!

Bis dann & ich hoffe es hat gefallen!





Hippiezelle
"Hippiezelle"
Fenster einer Gefängniszelle
Fenster der "Hippiezelle"
Zellentrakt
Einer von vier Zellentrakten
Orgel der Gefängniskirche
Orgel der Gefängniskirche
Erscheinungsdatum

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  1. Jakob ThoböllJakob Thoböll |

    Die meisten Gefängnisse haben einen Andachtsraum. Bei dem Alter des Gebäudes ist es nicht verwunderlich, dass es noch über eine richtige Kirche verfügt.

    ein spannender Ort.
    Pass in Zukunft mit den Fensternischen etwas auf, dass die nicht so überstrahlen, dann wirken die Räume besser. Du kannst zum Beispiel die Belichtung auf das Gegenlicht passend einstellen, und dafür eine Unterbelichtung beim Rest in Kauf nehmen.
    Alternativ eine Belichtungsreihe machen (Stativ) so dass du danach die hellen und die dunklen Partien beide gut ausgeleuchtet hast.
    Liebe Grüße
    Jakob

  2. Alan
    Alan |

    Schoener Bericht ueber eine seltene Location. Da muss ich aufpassen, nicht zu sabbern :-). Danke!

  3. PaleicaPaleica |

    ich hab ja im zuge des berlin besuchs auch ein altes gefängnis besucht. unbeschreiblich beklemmend, ein absoluter alptraum...

    1. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |

      Hat mir auf jeden Fall auch nochmal gezeigt, dass ich niemals im Gefängnis landen darf :D Finde die Vorstellung jetzt nachdem ich da war noch grausamer als vorher..

      Nach Berlin bzw. in die Nähe würd ich auch gern mal, gibt ja so einige interessante, "Lost Places" dort.

  4. philip s.
    philip s. |

    Hallo ihr lieben ich habe ein bisschen weniger glück als iohr denn ioch finde im internet leider gar keine daten über das gefängniss und ich wollte euch mal fragen ob ihr mir vllt die adresse und die anschrift geben könntet ich wäre euch echt dankbar. ich hoffe das ihr mir das geben könnt wonach ich euch gefragt habe denn ich bin echt heiss darauf mit ein paar freunden da rein zu gehen und uns das mal selber anzusehen

    1. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |

      Hi Philip,

      das Problem ist leider, dass man gar nicht mehr reinkommt. Das Tor der Gefängnismauer wurde fest verrammelt und sogar zugeschweißt. Über die Mauer kommt man auch nicht, da sie auf der Innenseite mit Stacheldraht versehen ist. Wenn du es trotzdem versuchen willst, meld dich am besten nochmal per Mail bei mir..

      Viele Grüße,
      Finn.

  5. Pati
    Pati |

    Hallo ich bin auf der Suche nach einer Location für ein Pole Dance Fotoshooting. Habe diese Location gefunden und bin total begeistert weiß jemand von euch ob es irgendwo eine Telefonnummer gibt wo man sich gegebenenfalls eine Genehmigung holen könnte.
    Viele Grüße

    1. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |

      Hi Pati,

      eine solche Telefonnummer kenne ich leider nicht. Bin mir allerdings ziemlich sicher, dass du, auch wenn du die Nummer hättest, keinen Erfolg haben würdest :/ Seit dem dort so viel kaputt gemacht wurde und es sogar gebrannt hat, sind die Sicherheitsvorkehrungen meines Wissens nach extrem verschärft worden.

      Abgesehen davon ist dort mittlerweile sowieso das meiste total kaputt. Die Bilder hier sind entstanden, als das Gefängnis noch nicht so bekannt - und dementsprechend in besserem Zustand - war.

      Hoffe, ich konnte trotzdem helfen & viele Grüße,
      Finn

    2. ReneRene |

      Leider kommt man da auch nicht mehr rein. Außerdem läuft mittlerweile Kötter Security da rum

    3. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |

      Das ist auch mein letzter Stand. Wirklich schade, was aus dem Gefängnis geworden ist... :(

  6. Jason Warriner
    Jason Warriner |

    Ich würde gerne wissen wo das Gefängniss ist
    Bilder und Beschreibung waren sehr schön

    1. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |

      Hi Jason,

      danke sehr! :)

      Aber die Adressen von "Lost Places" stellt man so offen leider nicht ins Internet, da das in der "Urbex-Szene" nicht gern gesehen ist und es dann Gestänker geben würde.. hoffe das kannst du verstehen.

      Viele Grüße,
      Finn

  7. Petzz
    Petzz |

    Hallo,

    ich war am letzten Februarwochenende noch mit zwei Kollegen da. Kurz nachdem ich erfahren hatte, dass der Abriss Mitte Februar beginnen sollte.
    Zuerst haben wir den Jugendknast besucht, dieser war problemlos zu besichtigen. Das Tor zur Straße stand auf sodass man im Vorbeigehen hineingehen konnte. Beim Gebäude stand auch noch alles offen. Sehr interessant fand ich den Aufbau des ganzen Traktes und den Schutz der Fensterscheiben. In der Werkstatt konnte man sogar noch ein altes Maschinchen bewundern.

    Das Hauptgefängnis war etwas schwieriger, da die Abrissarbeiten schon zugange waren und am Bauzaun ein dickes Schloss hing und hinter einem Zaun Campingwagen standen. Beim Ankommen ist auch ein Wagen von der Baustelle weggefahren. Durch eine kleine Lücke am Hauptzaun sind wir aber reingekommen. Die beiden äußeren (von der Straße gesehen) Trakte waren bereits von außen auf 20 Meter abgerissen waren. Wir konnten aber direkt durch den Haupteingang rein und die ganze Expedition war echt faszinierend. Beeindruckend war auch der ausgebrannte Dachstuhl der Kapelle! in einen Wachturm konnten wir ebenfalls noch reinklettern. Zum Ende hin haben wir uns noch den Eingangsbereich angeguckt und haben noch eine alte Gepäckkontrollmaschine gefunden.

    Alles in Allem mein dritter LP und noch dazu ein richtig faszinierender mitten in einer großen Stadt. Das Gefühl mitten am Tag reinzugehen und keinen interessiert es ist echt komisch. Es hat sich definitiv gelohnt! Ich vermute, dass wir mit die letzten waren die den Knast besichtigen konnten.

    schöne Grüße und danke für die tollen Berichte und Anregungen ;)
    Petzz

    1. Finn (SagtMirNix)Finn (SagtMirNix) |

      Hallo Petzz!

      Dass sich das alte Gefängnis mittlerweile im Abriss befindet, habe ich auch erst vor ein, zwei Wochen mitbekommen. Wirklich mega schade.

      Ich war zwar schon länger nicht mehr da, aber es war / ist einer meiner Lieblings-Lost Places - zumindest als noch nicht alles kaputt war. Dass in der Gefängniskapelle sogar das ganze Dach ausgebrannt ist, wusste ich auch nicht, heftig.

      Die Gepäckkontrollmaschine haben wir bei unseren beiden Explorations wohl übersehen, schade.

      Meinst du es lohnt sich noch mal hinzufahren, oder geht der Abriss so schnell voran, dass schon kaum noch was steht?

      P.S.: Bitte verzeih, dass ich erst jetzt antworte, habe gerade sehr viel zu tun. Und vielen Dank für dein Kompliment! Hier in der Website steckt mein Herzblut :-)

      Viele Grüße!

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